Im Zuge der Corona-Krise gibt es seit Monaten die Empfehlung, soziale Kontakte möglichst zu reduzieren bzw. gänzlich zu vermeiden. Ferner kommt es verstärkt zu Absonderungsanordnungen des Gesundheitsamtes (sog. Quarantäne). Wie sollen sich getrennt lebende Eltern in derartigen  Situationen verhalten? Müssen sie wegen der mit der Corona-Krise verbundenen Einschränkungen auf den Umgang mit ihren Kindern verzichten?

Ein generelles Kontaktverbot gibt es nicht

Die wohl wichtigste Information zuerst: Das Recht von Eltern auf Umgang mit ihren Kindern besteht weiter. Hat ein Familiengericht dazu gerichtliche Regelungen getroffen oder haben sich die Eltern auf den Umgang verständigt, gelten diese Regelungen und Vereinbarungen weiter - daran ändern auch allgemeine Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen nichts.

Solche Verordnungen müssten explizit den Umgang getrennt lebender Elternteile mit ihren Kindern untersagen oder Kontakte innerhalb des Familienkerns einschränken. Das ist bei den bisherigen gesetzlichen Regelungen allerdings nicht der Fall.

 Anders sieht es jedoch bei einer vom Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne aus.

Kontaktverbote bei Quarantäne

Hat die zuständige Gesundheitsbehörde eine Quarantäne angeordnet, kann es durchaus sein, dass ein Kind für die Dauer dieser Maßnahme keinen direkten Kontakt zu einem Elternteil haben darf.

Der indirekte Kontakt über Telefon, soziale Medien, Video-Telefonie und andere Kanäle ist natürlich weiterhin möglich.

Es gibt drei mögliche Szenarien:

  1. Das Kind ist nachweislich am Coronavirus (SARS-CoV-2) erkrankt und befindet sich deshalb in Quarantäne. In diesem Fall ist kein direkter Kontakt zu dem anderen, nicht betreuenden Elternteil möglich.
  2. Der Elternteil, der das Kind gerade betreut, ist am Coronavirus erkrankt. Auch wenn das Kind selbst nicht erkrankt ist, wird das Kind aufgrund des permanenten Zusammenseins mit dem Infizierten als Kontaktperson ersten Grades eingestuft. Ein Kontakt zum anderen Elternteil ist nicht erlaubt.
  3. Der betreuende Elternteil wird in Quarantäne geschickt, weil er Kontakt zu einem Erkrankten hatte, auch wenn er selbst (noch) nicht erkrankt ist. In diesem Fall gilt das Kind in der Regel als Kontaktperson zweiten Grades. Das Zusammentreffen mit dem anderen Elternteil ist in diesen Fällen erlaubt.

Was gilt bei freiwilliger Quarantäne?

Begibt sich ein Elternteil auf eigene Initiative hin vorsorglich in Quarantäne, dann ist der Kontakt zum Kind für den anderen weiterhin möglich. In derartigen Situationen gelten auch gerichtliche Umgangsregelungen uneingeschränkt weiter.

Verletzung von Umgangsregelungen

Verletzt ein Elternteil die Festlegungen oder Vereinbarungen zum Umgang mit dem Kind, kann es auch in der jetzigen Lage zur Anordnung eines Bußgeldes kommen. Anders jedoch, wenn die Umstände den gewohnten Wechsel des Kindes nicht erlauben. Zum Beispiel, weil krisenbedingt die Transportmöglichkeiten eingeschränkt sind. Kann der Elternteil solche Umstände glaubhaft belegen, wird er wohl nicht mit einem Bußgeld rechnen müssen.

Risikovermeidung hat Priorität

Sehen Eltern in der derzeitigen Situation eine Gefährdung der Gesundheit ihres Kindes oder Umfeldes, können sie jederzeit einvernehmlich den Umgang mit dem Kind ändern und einschränken. Sind Eltern sich nicht einig, können sie das Familiengericht hinzuziehen. Das kann z.B. der Fall sein, wenn das Kind oder andere Personen in den beiden Haushalten zu einer Risikogruppe gehören.

Zur „Quarantäne“

Die amtliche Anordnung der Quarantäne erfolgt aufgrund des Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (IfSG). Der Bescheid ergeht schriftlich in der Regel durch das zuständige Gesundheitsamt. Neben der Anordnung, sich in der eigenen Häuslichkeit abzusondern (so lautet die amtliche Formulierung), kann das Amt weitere Maßnahmen festlegen. Dazu zählen z.B., den eigenen Gesundheitszustand zu beobachten, ihn zu dokumentieren und dem Amt regelmäßig Auskunft zu erteilen. Wer gegen behördliche Anordnungen verstößt, muss mit einer Geldbuße oder mit Freiheitsstrafe rechnen.

Haben Sie Fragen zu diesen Themen? Dann wenden Sie sich jederzeit an unsere Expertin .

Annett Brodkorb

Annett Brodkorb

Rechtsanwältin Annett Brodkorb wurde 1970 in Riesa geboren. Sie ist bei Lenga, Wähling und Partner schwerpunktmäßig für den Fachbereich Familienrecht zuständig. Weitere Tätigkeitsfelder sind Arbeitsrecht und Verkehrszivilrecht.

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